Wir sind in eine Gemeinde gegangen, die sich Mut auf die Fahne geschrieben hatte und mutig neue Ideen testen wollte. Dafür fühlten wir uns bereit.
Mit temporären Interventionen setzt man sich aus und riskiert das Unvorhergesehene. Unser Konzept wurde vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet – eine Intervention abgestimmt auf die lokalen Begebenheiten. Im Vorfeld wurden Spaziergänge durchgeführt und eine lokale Begleitgruppe zusammengesetzt. In verschiedenen Mitwirkungsprozessen wurde zuvor auf neue Fragen hingearbeitet. Kann der Strassenraum mehr sein als Parkplätze? Wie könnte der Dorfkern wiederbelebt werden? Welche Massnahmen schätzt die Bevölkerung?
Rund 9 Parkplätze einer Strasse sollten deshalb während 3 Monaten umgenutzt werden – auch um die leeren Parkhäuser wieder vermehrt zu füllen. Letzte Woche begannen die ersten Tests: Erste Parkplätze wurden umgenutzt, mobiles Grün aufgestellt, die Begegnungszone bunt bemalt.
Die Rückmeldungen waren gespalten. Viele freuten sich mit uns, generationenübergreifend wurde der neu entstandene Platz genutzt. Die temporären Bänke waren in der Sonne stets besetzt. Kinder spielten, wo sonst Autos herumkurvten.
Letzten Endes waren die Stimmen, die sich an die Parkplätze klammerten, aber lauter – und extremer. Am Montag hat der Gemeinderat, der sich einst einstimmig dafür ausgesprochen hatte, das Projekt nach wenigen Tagen wieder abgebrochen. Wo hätten wir noch mehr machen können, damit auch diese Stimmen für das Projekt gesprochen hätten? Wie hätten wir dieses Scheitern in der Politik überhaupt verhindern können? Das versuchen wir jetzt herauszufinden.
Fazit für uns: Mut in Konzepte zu schreiben ist ein erster Schritt. Mut dann auch in den Taten zu zeigen, braucht aber weit mehr als Papier. Der Auftrag in der Gemeinde geht für uns zwar weiter – ohne Echtzeit-Test im Reallabor. Aber wir sind weiter auf der Suche nach Gemeinden, die mit uns mutig sein wollen.