Mitwirkung darf nicht zur Routineübung verkommen

Die Bedeutung von Mitwirkung in Planungsprozessen ist erkannt: Im besten Fall fördert sie die Akzeptanz von Planwerken in der Bevölkerung und schafft Verständnis für die Entscheide, die getroffen werden. Doch Partizipation ist nur dann zielführend, wenn sie ehrlich und breit abgestützt erfolgt. Insbesondere die Repräsentativität bedarf schon vor der eigentlichen Partizipation eines speziellen Augenmerks. Ein Plädoyer für eine Mitwirkung, die über eine Routineübung hinausgeht und ihre Zielgruppe effektiv anspricht und mobilisiert.

von Marion Zängerle

Planungsprozesse sind heute oftmals auch Partizipationsprozesse: Um das Risiko Einsprachen oder gar eines Abstimmungsmisserfolgs klein zu halten, setzt man landauf landab auf starke Bevölkerungsbeteiligung. Aufwändig angelegte Prozesse und Veranstaltungen – und doch beschränkt sich der Kreis der Teilnehmenden oftmals auf die immergleichen bekannten Gesichter: die nächste Generation des Urtypus «Gemeindeversammlungsgänger:in».

Wirksamkeit von Mitwirkung in Frage gestellt?
Die Teilnehmendenzahl an Veranstaltung stagniert meist unabhängig der Gemeindegrösse im tiefen dreistelligen Bereich. Wir beobachten Umfragen, deren Rücklauf mager und dadurch zweifelhaft für eine repräsentative Meinungsabbildung ist – sowohl digitale als auch analoge. Und die Eingabefreude von Ideen bei partizipativen Budgets oder Pop-Up-Projekten im öffentlichen Raum hält sich scheu in Grenzen.

Es stellt sich unweigerlich die Frage nach den Gründen, weshalb breit angelegte Partizipationsprozesse leider nicht ebenso breite Bevölkerungsgruppen erreichen. Fühlen sich Teile der Zielgruppe nicht als solche angesprochen und mitgemeint? Verstehen die potenziell Partizipierenden die Sprache und somit die Einladung von uns Fachleuten nicht? Ja, besteht denn überhaupt ein Interesse an der Mitgestaltung des eigenen Umfelds oder ist die Partizipation am Ende bloss eine Fatamorgana der heutigen Planungswelt? Oder aber: kann es sein, dass die Einladungen zur Mitgestaltung ihre Zielgruppe gar nie erreichen?

Die Arbeit beginnt weit vor der eigentlichen Mitwirkung
Aus dieser Perspektive erscheint das Erreichen einer breit abgestützten Zielgruppe bald als Schlüsselmoment der Partizipation. Denn wer nicht weiss, welche Gelegenheit sich bietet, kann diese verständlicherweise auch nicht wahrnehmen. Für einen ernst gemeinten partizipativ gestalteten Planungsprozess müssen wir also raus aus unserer Komfortzone: Neue Informationskanäle aktivieren, proaktiv auf die Partizipierenden zugehen und dabei keine Hindernisse scheuen – vor allem nicht die Grenzen zwischen der physischen und der virtuellen Welt.

Die Information über Mitwirkungsmöglichkeiten als Holschuld der Bevölkerung anzuschauen, ist heute eindeutig überholt. Die offiziellen Amtsblätter und Gemeindenachrichten werden kaum von einer repräsentativen Zielgruppe gelesen. Der Besuch auf der Gemeindewebsite einer Durchschnittsperson beschränkt sich wohl auf einige seltene Male. Will man eine vielfältige Beteiligung erreichen, sind auch die Kommunikationskanäle vielfältig zu wählen und gekonnt miteinander zu kombinieren: Vom Social Media Beitrag über den Flyer im Briefkasten oder die Plakatwand an der Bushaltestelle bis hin zur persönlichen Einladung über Bekannte, die als Botschafter:innen für das Projekt agieren – optimalerweise wird man so sogar mehrfach erreicht und an die sich bietende Gelegenheit erinnert. In diese Richtung gehen auch Methoden aus der Verhaltenspsychologie wie beispielsweise das «Nudging», mit welcher Menschen auf subtile Weise für die Mitwirkung gewonnen werden können.

Kurz und bündig…
Eine Veranstaltung allein macht also noch lange keine Partizipation aus – mindestens genauso wichtig ist es, die möglichen Teilnehmenden dafür zu gewinnen!

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